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Leben in Bärnau

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Wohin führt Hohenthans Weg nach 1976?

Bürgermeister Kraus klärte in der Bürgerversammlung auf – Bevölkerung soll demnächst abstimmen

 

Hohenthan. Zu einer Bürgerversammlung hatten sich am Freitagabend die Einwohner von Hohenthan und Altglashütte in der Gastwirtschaft Schuller eingefunden. Bürgermeister Adolf Kraus begrüßte dazu auch Pfarrer Franz Geiger sowie den vollzähligen Gemeinderat. Wie der Bürgermeister eingangs betonte, habe man in letzter Zeit viel von der Gebietsreform, von Gemeindezusammenschlüssen und dem „Merkl-Plan" gehört und gelesen, so dass es an der Zeit sei, den Hohenthanern Gemeindebürgern über diese Punkte Klarheit zu geben.

Der Gemeinderat der bereits über die Gemeindezusammenschließung beraten habe, habe zwar entschieden, dass Hohenthan bis zum 1.1.1976 selbständig bleiben und sich keiner anderen Gemeinde anschließen wolle, aber über die Frage, wohin Hohenthan`s Weg nach 1976 führen werde, herrsche immer noch Unklarheit. Aber es sei auch an der Zeit, sich in dieser Hinsicht festzulegen, damit die in Betracht kommende Aufnahmegemeinde sich bereits heute orientieren könne. Um diese Frage in der Vorabstimmung klären zu können, sei man hier zusammengekommen.

So hätte beispielsweise die Gemeinde Hohenthan bei einem freiwilligen Zusammenschluss mit einer größeren Nachbargemeinde die lächerliche Summe von 60.000,00 Mark zugewiesen erhalten. Dieser Betrag sei schon deshalb undiskutabel, weil das Steueraufkommen der Gemeinde Hohenthan ein Mehrfaches dessen beträge, so dass der Gemeinde aus einem freiwilligen Zusammenschluss keinerlei Vorteile entstünden. Dazu komme noch die Tatsache, dass Hohenthan hinsichtlich der Hebesätze für die Grund- und Gewerbesteuern erheblich unter den Hebesätzen von Plößberg und Bärnau liege, so dass die genannte Zuweisung bereits nach zwei bis drei Jahren durch die Steuerzahler wieder zurückbezahlt wäre. Außerdem stehe 1974 eine neue Besteuerung aufgrund der neu festgelegten Einheitswerte bevor, so dass sich darauf erneut eine Steuererhöhung für die Hohenthaner Bürger ergäbe.

Dennoch müsse den Realitäten ins Auge gesehen werden. Deshalb habe er, Kraus, auch nur die Bürger von Hohenthan und Altglashütte zu der Versammlung eingeladen, da vor allem in diesen beiden Orten die Meinungen darüber, ob man nach 1976 eventuell nach Bärnau oder nach Plößberg tendiere, weit auseinandergehen. An dieser Stelle wolle Kraus in seiner Eigenschaft als Bürgermeister versuchen, die noch offenstehenden Möglichkeiten sowie das, was auf Hohenthan zukommt, objektiv und unvoreingenommen aufzuzeigen.

Die Vorteile eines Zusammenschlusses mit Bärnau lägen darin, dass bereits verschiedene Verbindungen hinsichtlich der Busverbindung, der Apotheke des Bahnhofes, der Ärzte und Zahnärzte bestehen. Die Nachteile eines solchen Zusammenschlusses aber lägen darin, dass Bärnau einen enormen Verwaltungsaufwand betreibe, der ja dann künftig mitfinanziert werden müsste. So unterhalte die Stadt Bärnau nach den jüngsten Zusammenschlüssen rund 3100 Einwohner zählend, allein neun Verwaltungskräfte, drei städtische Arbeiter, einen städtischen Oberförster, sowie zwei Waldarbeiter, während Plößberg mit ebenfalls rund 3000 Einwohnern lediglich drei Verwaltungskräfte beschäftige. Hier zeige sich bereits ein wesentlicher Unterschied. Außerdem hätten die Verwaltungsaufgaben der Stadt Bärnau im Jahre 1970 pro Kopf 106,57 DM betragen, während der Landesdurchschnitt in Bayern bei 36,76 DM lag. Schon aus diesen Zahlen sei der in Bärnau betriebene Verwaltungsaufwand ersichtlich.

Für den in Hohenthan in den letzten Jahren stark geförderten Fremdenverkehr (die Gemeinde kann annähernd 40 000 Übernachtungen nachweisen) bestünden nach Kraus Meinung in Plößberg ganz entschiedenere Vorteile hinsichtlich der Ausweitung, während in Bärnau hier jegliche Voraussetzungen fehlen und gar vieles noch im argen liege.

Auch auf den Schulverband kam Kraus eingehend zu sprechen, da ja auch die Einschulung der Kinder berücksichtigt werden müsse. Nach der Gründung des Schulverbandes Bärnau am 01.04.1970 sei an dem Bau des Verbandsschulhauses gegangen worden. Die Kosten für dieses Projekt seien – hier ist die Gesamtplanung angesprochen – auf vier Millionen Mark veranschlagt worden. Mittlerweile aber belaufen sich die Kosten auf 7,5 Millionen Mark und werden sicherlich noch die Acht-Millionen-Grenze überschreiten. Dabei sei beim letzten Betrag sogar die Finanzierung des Sportplatzes noch in Frage gestellt. Das gesamte Projekt stelle eine enorme Belastung für die beteiligten Gemeinden dar, zumal ein Darlehen über 2,1 Millionen Mark aufgenommen worden sei, das mit acht Prozent verzinst werden müsse. Daraus und aus dem ungedeckten Schulbedarf von 150 000 Mark zuzüglich eines jährlichen Zuschuss von 50 000 Mark für das Lehrschwimmbecken entstünden somit jährlich etwa 470 000 DM ungedeckte Kosten. Außerdem entsteht der Gemeinde Hohenthan für 97 Schüler eine Schulverbandsumlage von 79 000 DM und der Stadt Bärnau mit ihren eingegliederten Gemeinden Ellenfeld und Thanhausen ein Betrag von 390 000 DM als Schulverbandsumlage. Angesichts dieser Zahlen müsste man sich ernstlich fragen, ob diese Kosten denn überhaupt noch zu finanzieren sind.

Wenn die Stadt Bärnau diesen Zahlen ablehnend gegenübersteht und davon überzeugt ist, dass die von Kraus genannten Kosten nicht erreicht werden, führte Kraus weiter aus, so müsse man dem entgegenhalten, dass bei einem derartigen Projekt nur mit nüchternem Zahlenmaterial gerechnet werden könne, nicht aber mit Manipulationen.

Angesichts der vorgenannten Tatsachen müsse Hohenthan, falls die Bürger in einer Abstimmung für Plößberg stimmen sollten, bemüht sein, die Möglichkeit zu finden, die Gemeinde aus dem Schulverband Bärnau loszueisen und nach Plößberg einzugliedern, denn schließlich könne man sich nicht nach Plößberg eingemeinden lassen und gleichzeitig weiterhin im Schulverband Bärnau verbleiben, was, wie vorgehend im Detail geschildert, enorme finanzielle Belastungen für die künftige Gemeinde bringen würde. Kraus zeigte sich auch hinsichtlich der Frage, ob im Falle einer Eingliederung nach Plößberg das Ausscheiden aus dem Schulverband Bärnau möglich sei, zuversichtlich. Die eingebrachte Frage eines Versammlungsteilnehmers, ob im Falle des Ausscheidens aus dem bestehenden Schulverband Bärnau die zum Schulhausbau aufgebrachten Mittel für Hohenthan verloren wären, verneinten sowohl der Bürgermeister, als auch Gemeindeangestellter Alois Zölch. Beide erklärten, dass sich hier gewissermaßen ein Ausgleich schaffen ließe.

Eine weitere Möglichkeit für Hohenthans Zukunft nach 1976 zeigte Alois Zölch auf, der der Versammlung erklärte, dass Innenminister Merk auf verschiedene Anfragen hin geäußert habe, dass sich auch kleinere Gemeinden mit weniger als 1000 Einwohnern einer Verwaltungsgemeinschaft anschließen können, wenn diese Gemeinden steuer- bzw. finanzkräftig genug seien und einen Vergleich mit den größeren Gemeinden nicht zu scheuen hätten. Diese Möglichkeit brächte den Vorteil, dass die Aufgaben innerhalb der Gemeinde weiterhin in eigener Zuständigkeit erledigt würden, die Gemeinde ihren eigenen Bürgermeister nebst Gemeinderat haben könnte, jedoch die Verwaltung durch die Verwaltungsgemeinschaft geführt würde. Unter diesen Gesichtspunkten müsse es auch für Hohenthan möglich sein, einer Verwaltungsgemeinschaft mit dem Sitz in Tirschenreuth beizutreten.

In der anschließenden Diskussion zeigt sich deutlich, dass die Meinungen, welcher Gemeinde man im Eventualfall den Vorzug geben sollte, weit auseinander gingen. Während sich vor allem die Altglashüttner Einwohner für den Zusammenschluss mit Plößberg stark machten, kam aus den Reihen der Hohenthaner Bürger verstärkt der Ruf nach einem möglichen Zusammenschluss mit der Stadt Bärnau. Eine Entscheidung konnte allerdings in dieser Versammlung nicht getroffen werden.

Fest stand lediglich die Tatsache, dass die Anwesenden fast ausnahmslos der Ansicht waren, die Gemeindevertreter sollten mit dem Bürgermeister in erster Linie versuchen, die Selbstständigkeit Hohenthans innerhalb einer Verwaltungsgemeinschaft zu erreichen. Um aber der Gemeinde die Möglichkeit zu weiteren Handeln zu geben, wurde beschlossen, dass in Kürze eine allgemeine Abstimmung darüber erfolgen soll, wohin Hohenthan möchte, falls die Selbständigkeit über 1976 hinaus nicht aufrecht erhalten werden kann.

Muss abschließend noch kurz berichtet werden, dass sich Bürgermeister Adolf Kraus auf eine Anfrage hin entgegen seiner früher gemachten Äußerung, für das Bürgermeisteramt nicht mehr kandidieren zu wollen, nun doch entschlossen hat, eine erneute Kandidatur anzunehmen, falls ihm die Gemeindebürger diese antragen würden. Damit war auch den Anfechtungen, der Bürgermeister wolle nun die Gemeinde „sitzen lassen" jeder Grundlage entzogen.

 

Aus der Ortversammlung im März im Jahre 1972

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