verfasst von Maria Friedl
Fast zusammengebaut mit dem bayerischen Dorf war das böhmische Dorf Hermannsreith, dessen Bewohner 1946 vertrieben wurden.
Ein großer Teil, auch aus den Nachbardörfern, konnte vorher noch zu uns rüber flüchten, wo es sehr eng in den Häusern wurde. Sehr schnell wurde die Idee zur Wirklichkeit, zwischen der Knopffabrik Dietrich, die schon seit 1930 gebaut wurde und dem südlichen Rand des Buchenwaldes eine Siedlung zu errichten. Bereits 1949 standen die ersten zwei Häuser. Zu Winterbeginn 1950 waren 16 Häuser und im Herbst 1952 nochmals 19 Häuser bezugsfertig. Im ganzen stehen jetzt 40 Häuser in und um die ehemalige Buchenwaldsiedlung. Jetzt Hermannsreuth-Siedlung benannt mit fast 100 Einwohnern.
Mit dem Gasthof Wettinger besteht auch noch ein gut besuchtes Wirtshaus mit eigener Metzgerei.
Ein sehr aktiver Siedlerbundverein bemüht sich, die Gemeinschaft der „Siedlerer mit den Dorferern“ zu pflegen und zu erhalten.
Es gibt alljährlich einen feierlichen Weihnachtsgottesdienst und anschließend mit kleinem Konzert um den aufgestellten Christbaum vor dem Heim.
Der Maibaum wird gemeinsam im Dorf aufgestellt und im Sommer das Johannisfeuer abgebrannt. Im August findet das Dorffest und im Herbst das Oktoberfestl in der Siedlung statt.
In Eigenarbeit wurde im Dorf ein schöner Brunnen und bei der oberen Siedlungseinfahrt ebenfalls ein Brunnen mit Sitzgelegenheit errichtet.
Schon 1958 wurde für eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse durch den Neubau einer Straße durch die Siedlung mit gleichzeitigem, staubfreien Ausbau der Ortsstraße zum Dorf gesorgt.
Die Siedlung und das Dorf verjüngt sich. Immer wieder zieht es junge Leute an, die sich ein zum Verkauf stehendes Haus sichern und bei uns heimisch werden wollen. Was diese Ortschaft zu bieten hat ist eine freundliche Dorfgemeinschaft und eine Landschaft der Ruhe und Erholung mit einzigartiger Fernsicht über unsere Heimat.
Das Dorf Hermannsreuth, das unmittelbar an der bayerisch-tschechischen Grenze liegt, gehört mit der oberen und unteren Kellermühle, dem Bitterer- und Glockngehöft und der Mühllohe – zusammen 46 Häuser – zur Stadtgemeinde Bärnau. Zuvor gehörte es zur seit 1806 bestehenden Landgemeinde Ellenfeld.
Eine Chronik erwähnt unser Dorf im Jahre 1350 zum ersten Mal, als Hartmannsreuth. Seit 1606 wird der Name Hermannsreuth amtlich gebraucht.
Von 1548 bis 1645 hatte das Geschlecht der Abgott das „Schloss Hermannsreuth“ in Besitz. Davon stammt der im Volksmund noch heute gebrauchte Name „Abgout“.
Von den umliegenden Bergen ist der höchste das „Dürrmaul“ mit 801 Metern. Das Dorf selbst liegt 760 Meter hoch und hat etwas über 100 Einwohner. Der Flächenraum des Ortsgebietes beträgt um die 300 ha.
Das wichtigste fließende Gewässer ist der aus einem Weiher bei der Oberkellermühle kommende Lohbach. Er hat einen östlichen Lauf und heißt noch vor seinem Übertritt nach Böhmen „Reichenbach“, später „Mies“.
Die Marienkapelle in der Dorfmitte ist so um die 150 Jahre alt. Sicher stand vorher eine Kapelle aus Holz, wie früher üblich, an ihrem Platz.
Unweit davon steht seit 1990 ein selbstgebauter Backofen, alljährlich jetzt an Maria-Himmelfahrt der Mittelpunkt des Dorffestes. Vormittag feierlicher Gottesdienst im ehemaligen Schulgarten und dann bemüht sich die Dorf- und Siedlergemeinschaft den vielen Besucherwünschen gerecht zu werden, mit Musik und allerlei Schmankerl.
Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1875 gegründet. Ein sehr rühriger Verein, der ein Feuerwehrhaus und ein eigenes Feuerwehrheim zusätzlich besitzt. Sie ist eine Bereicherung für alle Bewohner.
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